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Der Einfluss der Verhaltensökonomie auf die Altersvorsorge

News   •   Nov 27, 2017 08:38 CET

Bild: pixabay

Die Vergabe der Nobelpreise wird jedes Jahr mit Spannung erwartet. Der Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an den US-Ökonom Richard Thaler und seine Untersuchungen zur Verhaltensökonomie. Spannend dabei ist, dass besonders die Altersvorsorge von seinen Erkenntnissen lernen kann.

Der Mensch ist ein rationales Wesen, doch geht es um Geld, handelt er eben nicht rational. In wirtschaftlichen Belangen wird der Mensch oft von psychologischen Faktoren beeinflusst, handelt irrational und schiebt wichtige Entscheidungen vor sich her – auch wenn er sich damit sogar schadet. Mit diesen Forschungsergebnissen zum menschlichen Verhalten bricht Thaler mit dem bisher gültigen Ideal.

Der Mensch ist kein Homo oeconomicus

Ein gutes Beispiel für die Thesen Thalers ist die Altersvorsorge: Menschen wissen, dass es nicht ausreicht, sich allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen und sie eigentlich selbst fürs Alter sparen müssten – sei es durch private Altersvorsorge oder betriebliche Altersversorgung. Doch sie geben lieber jetzt Geld aus, anstatt es anzulegen. Und wer spart, der legt oft unzureichend Geld beiseite. Laut Thaler ist der Mensch in finanzieller Hinsicht willensschwach und kurzsichtig. Das ist eine der vielen Anomalien, die der Verhaltensökonom untersucht hat: Warum handelt der Mensch wider besseres Wissen?

Den inneren Schweinehund austricksen

Der Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises hat nach Wegen aus dieser Zwickmühle gesucht. Seine Lösung ist das so genannte Nudging. Dabei handelt es sich um Maßnahmen, die die Menschen anstupsen, um sie bei ihrem Verhalten in die richtige Richtung zu lenken. Dieses Anstupsen findet sich bald auch in der deutschen Altersvorsorge. Im Betriebsrentenstärkungsgesetzt, das zum 1.1.2018 in Kraft tritt, ist das Opting-out-Modell für die betriebliche Altersversorgung (bAV) verankert. Dabei wird vorausgesetzt, dass alle Arbeitnehmer eine bAV für die eigene Altersvorsorge mit ihrem Arbeitgeber abschließen. Wer das nicht möchte, muss aktiv werden und widersprechen. Bisher war das System umgekehrt: Wer eine bAV abschließen wollte, der musste aktiv werden. Die Umkehr des Systems bezeichnet Thaler als Nudging. In den USA wurden damit großen Erfolge erzielt. Als dort bei der betrieblichen Altersversorgung ein Opting-out-Modell eingeführt wurde, stieg die Anzahl der Mitarbeiter, die eine bAV hatten, von 57-69 Prozent auf 85 Prozent.

Durch Nudging das menschliche Verhalten lenken

Neben Opting-out-Modellen sind auch Wissen, beziehungsweise ein leichter Zugang zu verständlichen Informationen, eine insgesamt bessere Finanzbildung oder einfachere Vorsorgeprodukte als so genannte Nudges einzustufen. Laut Thaler hilft es, den Weg zur einer eigenen Vorsorge so einfach wie möglich zu gestalten und Menschen ab und an anzustupsen, um auf dem richtigen Weg zu bleiben.

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