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Digitalisierung: Ein langer Weg für Deutschland

News   •   Feb 12, 2018 10:00 CET

Bild: pixabay

Zwar ist die Digitalisierung in vielen Unternehmen bereits angekommen. Doch die Bürger können digitale Lösungen im Alltag noch recht selten nutzen. Sei es das digitale Rentenkonto, das alle Ansprüche übersichtlich darstellt, oder das digitale Bürgerportal: Immer noch werden Dokumente auf Papier ausgefüllt und verschickt. Dabei würden digitale Lösungen Erleichterung für beide Seiten – Behörden und Bürger – bringen.

Beim Thema Digitalisierung ist Deutschland ganz klar abgehängt. Im Ranking der Europäischen Kommission belegt es nur Platz 20. Während in anderen europäischen Ländern die Aktenschränke zur aussterbenden Spezies gehören, wird in Deutschland alles noch auf Papier erledigt. Das ist nicht nur lästig, das macht auch Arbeit und bietet keine Transparenz. Anträge müssen für verschiedene Stellen gleich mehrfach ausgefüllt werden. Der Schriftwechsel findet fast ausschließlich per Post statt. Dabei machen andere Länder vor, dass es auch anders geht. In Dänemark zum Beispiel, das Land liegt im europäischen Ranking auf Platz 4, wurden 2015 87 Prozent der 11,5 Millionen Anmeldungen und Anträge digital abgearbeitet. Die Kommunikation mit öffentlichen Behörden läuft dort fast ausschließlich digital. Auf Wiedersehen Papierablage – in Dänemark zumindest.

Das Problem in Deutschland

Warum also klappt es in anderen Ländern, aber in Deutschland nicht? Eine Umfrage der Initiative D21 deckt zumindest einen Grund auf: Von den Befragten haben lediglich 41 Prozent in den zurückliegenden zwölf Monaten überhaupt E-Government-Angebote genutzt. Doch die Angebote waren nicht gut. 46 Prozent dieser Nutzer waren nicht zufrieden damit. Zwar hat sich diese Zufriedenheit insgesamt gebessert, denn 2016 lag sie bei 38 Prozent. Dennoch warnen Experten, dass das Potenzial nicht ausgeschöpft wird.

Die Digitalisierung der deutschen Behörden

In Deutschland gibt es 500 Verwaltungsdienstleistungen. Die Politik wollte ursprünglich zumindest die 100 wichtigsten davon digitalisieren. Bis 2017 sollten deren Dienste bundesweit einheitlich online nutzbar sein. Das Ziel wurde nicht erreicht. Die Bürger sind verärgert und frustriert. Es gibt kleine Lichtblicke, etwa Verbesserungen bei der KfZ-Anmeldung, doch insgesamt hat sich trotz der Pläne und Parteiprogramme der Parteien kaum etwas bewegt.

Die Weichen sind gestellt

Es ist nicht so, als würde Deutschland nichts tun. Die Große Koalition hat bereits letztes Jahr, in den letzten Monaten der gemeinsamen Regierungszeit, eine Änderung des Grundgesetzes verabschiedet, durch welche die Einrichtung eines bund- und länderübergreifenden Bürgerportals ermöglicht wird. Damit kam die Regierung einer großen Nachfrage der Deutschen nach, denn digitale Verwaltungsleistungen stehen ganz oben auf der Wunschliste. 91 Prozent der Deutschen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung PwC, sind bereit, zukünftig Verwaltungsvorgänge online zu tätigen. Laut dem Nationale Normenkontrollrat (NKR) könnten durch digitale Verwaltungsleistungen in Deutschland pro Jahr 84 Millionen Stunden eingespart werden.

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