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Stresstest für die Betriebsrente

News   •   Feb 19, 2018 10:00 CET

Bild: pixabay

Sind die Betriebsrenten in Europa sicher – auch bei einem Börsencrash? Diese Frage wollte die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) beantworten und hat 195 Betriebsrenten-Einrichtungen in 20 EU-Ländern analysiert.

Das Ergebnis wird unterschiedlich bewertet. Die Fakten: Bei einem schweren Börsencrash würden die Betriebsrenten-Einrichtungen große Verluste machen. Von 702 Milliarden Euro, die in den Bilanzen fehlen würden, ist die Rede. Allerdings sehen einige Finanzexperten, vor allem Anbieter, das Ergebnis als bloße Panikmache an und tun es ab.

Was passiert bei einem Doppeltreffer-Szenario?

Die europäische Versicherungsaufsicht wollte wissen, was bei einem sogenannten Doppeltreffer-Szenario passiert. Damit ist gemeint, dass es einen Börsencrash gibt und die Zinsen für sichere Anlagen am Kapitalmarkt stark fallen. Tritt dies ein, steigen natürlich die Lasten der künftigen Verpflichtungen der Pensionseinrichtungen, denn sie müssen dann mehr Geld beiseite legen, um trotz niedriger Zinsen die Betriebsrenten zahlen zu können. Gleichzeitig würden ihre Kapitalanlagen stark an Wert verlieren.

Schon heute belasten niedrige Zinsen die bAV-Anbieter

Um die Auswirkungen von niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt auf die Anbieter von betrieblicher Altersversorgung zu beobachten, muss man aber nicht in möglichen Horror-Szenarien aus der Zukunft denken. Bereits seit Jahren macht die anhaltende Niedrigzinsphase den bAV-Anbietern das Leben schwer. Und das nicht ohne Folgen: Laut Berechnungen von EIOPA übersteigen die Verpflichtungen das Vermögen der Einrichtungen bereits jetzt um 349 Milliarden Euro.

Wer zahlt bei einem Börsencrash

Bleibt man beim Doppeltreffer-Szenario, stellt sich für Viele die Frage, wer die fehlenden Kosten tragen würde. Zum einen müssten Arbeitgeber Geld nachschießen, laut EIOPA würden sie mit rund 445 Milliarden Euro den Löwenanteil tragen. Doch das können nicht alle Unternehmen stemmen. EIOPA schätzt, dass dies rund ein Viertel der Unternehmen überfordern könnte, weil die notwendigen Nachzahlungen den Börsenwert der Firmen um mehr als 60 Prozent übersteigen würden. Teilweise ist das aber schon Realität, denn viele Anbieter rechnen mit Zinssätzen, die nicht mehr zu erreichen sind. Schon heute müssen Versicherer hohe Summen nachschießen. Zum anderen würden die Arbeitnehmer das Loch auffangen, indem ihre Betriebsrenten gekürzt werden würden – auch das ist bereits heute immer wieder der Fall.

Nicht alle teilen die Sorgen der EIOPA

Während die deutsche BaFin EIOPA Recht gibt und bestätigt, dass auch sie zu einem ähnlichen Ergebnis kommt, tun es andere als Panikmache ab und halten das Ergebnis für verantwortungslos. Der europäische Dachverband Pensions Europe zum Beispiel kritisiert, dass die Behauptungen der europäischen Versicherungsaufsicht durch Zahlen auf nationaler Ebene nicht abzubilden seien.

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